Rückblicke | 26.07.2010


(js) Die republikflüchtige Soja mit weitem Herzen trifft in Westberlin auf Harry, abgründige Vergangenheit und düstere Zukunft. Sein Schicksal wird ihr Leben bestimmen, wider alle Vernunft. Jahre später macht sie sich daran, ihre gemeinsame Geschichte zu erzählen.
Katja Lange-Müller, vielfach ausgezeichnete Meisterin der Erzählung, unter anderem mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis und dem Wilhelm-Raabe-Literaturpreis, greift dem Leser mit diesem lange erwarteten Roman ans Herz. Einfühlsam, komisch und in einer melancholischen Tonlage erzählt sie, wie eine unglückliche Liebesgeschichte das größte Glück im Leben sein kann. Dabei entsteht auch ein atmosphärisch dichtes Porträt des geteilten, erstarrten Berlins der 80er Jahre.

Episoden und Hintergründe der Werke der Autorin besitzen authentische Wurzeln in dem bewegten Leben von Katja Lange-Müller. Als Tochter der Kandidatin des Politbüros der SED Inge Lange wurde sie als 16-Jährige wegen unsozialistischen Verhaltens der Schule verwiesen, lernte Schriftsetzerin und arbeitete als Bildredakteurin bei der Berliner Zeitung, wurde Requisiteurin beim DDR-Fernsehen, Hilfsschwester auf geschlossenen Stationen der Charité, studierte am Literaturinstitut in Leipzig. Es folgte eine Arbeit in einer Teppichfabrik in der Mongolei, danach als Lektorin im Altberliner Verlag. 1984 reiste sie nach West-Berlin aus. Sie erhielt eine Reihe Stipendien renommierter Institutionen und einen Studienaufenthalt in New York.

Heute lebt die Schriftstellerin in Berlin, ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt und der Akademie der Künste in Berlin. Sie war mit dem jüngeren Bruder des Dramatikers Heiner Müller verheiratet.