Rückblicke | 28.04.2010


Nachdem der Film „Boxhagener Platz“ im Kino für Furore sorgt (und noch bevor er im Mai das 20. Schweriner Filmkunstfest einläutet), lässt es sich der Hans-Fallada-Klub Neustrelitz nicht nehmen, den Autor des zugrunde liegenden Romans zur VollmOnd-Reihe einzuladen. Am 28. April 2010 ist Torsten Schulz, der mit dieser Geschichte ein viel beachtetes Roman-Debüt gegeben hatte, zu Gast im Hotel Schlossgarten.

Die Geschichte führt ins Berlin des Jahres 1968, wo Oma Otti soeben im Begriff ist, Ehemann Nummer sechs zu verlieren – was sie nicht hindert, schon mal einen Nachfolger ins Auge zu fassen. Ihren Enkel Holger beschäftigt unterdessen der Mord an Fisch-Winkler. Hat da etwa ein eifersüchtiger Nebenbuhler die Hand im Spiel? Oder gar der noch bösere Westen? Ein Panorama skurriler Existenzen gibt sich da im Mikrokosmos Boxhagener Platz ein Stelldichein. Pralles Leben und lakonischer Humor, eine wunderbare Liebesgeschichte und dramaturgische Orgasmen bescheinigten die Rezensenten dem Autor, der später für den Erzählband „Revolution und Filzläuse“ kaum weniger gefeiert wurde.

Als Filmautor hatte Torsten Schulz schon seit Mitte der 80er Jahre von sich reden gemacht. Zu den bekanntesten seiner Drehbücher gehört sicher „Raus aus der Haut“, die von Andreas Dresen in Szene gesetzte Geschichte zweier Abiturienten, die in der DDR der 70er Jahre ihren linientreuen Schuldirektor entführen. An der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Potsdam-Babelsberg wirkt Schulz, der hier einst selbst Film- zund Fernsehwissenschaften studierte, als Professsor für Praktische Dramaturgie und Prodekan des Studiengans Drehbuch/Dramaturgie, unterrichtete bereits auch an internationalen Hochschulen. Als Co-Autor des Films „Der Mann im schwarzen Mantel“, der die widersprüchliche Biografie von Manfred „Ibrahim“ Böhme aufgreift, war er vor einigen Monaten schon einmal in Neustrelitz zu Gast.