Rückblicke | 30.03.2010


Eine skurrile Szenerie entwirft der Roman "Die Nachhut", den der Autor Hans Waal bei der nächsten VollmOnd-Lesung des Hans-Fallada-Klubs Neustrelitz am 30. März im Hotel Schlossgarten vorstellt: Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg lässt er vier alte Waffen-SSler aus ihrem geheimen Bunker nahe Wittstock kriechen. Nicht dass Strom, Wasser, Lebensmittel zur Neige gegangen wären wären, nein, nur ist leider der letzte Büchsenöffner abgebrochen - Anlass für die müden Krieger, sich zur Reichshauptstadt durchzuschlagen, um neue Befehle entgegenzunehmen. Mit "tausendjährig" gefärbtem Blick nehmen sie das vorgefundene Deutschland wahr und begegnen unterwegs natürlich auch ihren selbsternannten Nachfolgern, die ihnen allerdings nicht besonders würdig vorkommen.
Natürlich bleiben die Geister aus der Vergangenheit in der medial dominierten Gegenwart nicht unbemerkt: Journalisten jagen der ultimativen Story hinterher, Politiker müssen sich möglichst wahlwirksam positionieren. Und manch dunkles Geheimnis kommt durch die aberwitzige Ermittlungs- und Verschleierungsmaschinerie auch noch ans Licht.
Hans Waal ist das Pseudonym eines in Leipzig lebenden Autors, der als Journalist für ein großes Magazin arbeitet. Sein Roman ist eine brillante Groteske, eine außergewöhnliche Farce auf die Instrumentalisierung von Weltanschauungen sowie die Lügen aus Vergangenheit und Gegenwart.