Rückblicke | 02.12.2009


Wenn Peer Jäger nach Neustrelitz kommt, ist das immer ein Ereignis. Nicht nur weil der Schauspieler dem hiesigen Publikum seit seinem Engagement am Friedrich-Wolf-Theater (1968-1977) intensiv in Erinnerung geblieben ist, sondern auch weil seine Auftritte heute wie damals eindrucksvolle Interpretationskunst versprechen. In der nächsten VollmOnd-Veranstaltung des Hans-Fallada-Klubs am 2. Dezember im Hotel Schlossgarten liest der 66-Jährige den „Casanova“ aus „Drei Dichter ihres Lebens“ von Stefan Zweig.

Nach seinem Studium an der Staatlichen Schauspielschule Berlin, der späteren Ausbildungshochburg „Ernst Busch“, hatte Peer Jäger in Neustrelitz seine Theaterlaufbahn eröffnet – unter anderem mit der Titelrolle in der Uraufführung „Egon und das achte Weltwunder“.. Es folgten Engagements am Staatstheater Schwerin und am Kabarett „Die Pfeffermühle“ in Leipzig. Im Sommer 1989 blieb er auf einer Gastspielreise im Westen, wo er nicht nur am Theater schnell Fuß fasste, sondern dank seiner doppelbödigen Ausstrahlung und seines Charakterkopfes auch bald für Film- und Fernsehrollen „entdeckt“ wurde. Er arbeitete mit Regisseuren wie Max Färberböck (Aimée & Jaguar“) und Hans Weingartner („Free Rainer – dein Fernseher lügt“), wirkt in Hörspielen mit und tritt als Rezitator auf. Letzteres auch immer wieder gern (und immer wieder gern gesehen) in Veranstaltungen des Hans-Fallada-Klubs, für den er zum Beispiel 2005 Thomas Manns „Versuch über Schiller“ gestaltete.

Diesmal also liest er Stefan Zweig, der in „Drei Dichter ihres Lebens“ am Beispiel von Casanova, Stendhal und Tolstoi die Steigerung schriftstellerischer Selbstsicht ausarbeitet – besonders lebhaft zu empfinden am Beispiel des legendären venezianischen Freigeistes.