Rückblicke | 09.05.2009


Alles, was der Mensch im Leben wissen muss, steht in Büchern. Manchmal auch nur in einem einzigen, behaupten die Autoren von „Ein Mann, ein Buch“ und „Eine Frau, ein Buch“. Ob das stimmt, davon können sich die Zuhörer bei der nächsten VollmOnd-Lesung des Hans-Fallada-Klub e. V. Neustrelitz ein Bild machen: Zu Gast im Hotel Schlossgarten sind dann Andrea Apmann und Frank Rüdiger Strasen.

Beide sind dem Literaturpublikum im vergangenen Jahr bei der Neustrelitzer Lesenacht begegnet: Andrea Apmann gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten, dem Schauspieler Michael Kleinert, mit satirischen Texten im Disc-Vielfalter, Frank Rüdiger Strasen mit Kriminalnovellen in der Arztpraxis von Dr. Parpart. Mit solchem Erfolg, dass der Gedanke an einen VollmOnd-Abend nahe lag...

Aber die beiden Lesenden haben noch mehr gemeinsam. Beide sind 1967 geboren, in derselben Straße aufgewachsen, seit Kinderzeiten befreundet – und „eingefleischte“ Neustrelitzer. „Hier habe ich alles, Natur und Kultur. Freiwillig würde ich nicht weggehen“, sagt Andrea Apmann, die nach dem Studium der Arbeitsökonomie nach Neustrelitz zurück kam und heute als Sachbearbeiterin im Bürgerbüro des Landtagsabgeordneten Vincent Kokert tätig ist. Wenngleich sie somit eher gewöhnt ist, im Hintergrund zu wirken, ist der Lese-Auftritt doch eine Gelegenheit, andere Seiten von sich zu zeigen. Lesen zählt die offene, neugierige Frau zu ihren Leidenschaften – auch im ausgefüllten Alltag mit drei Kindern. Nach ihrer Lieblingsautorin Isabel Allende, deren meisterhafte Sprache sie liebt, hat ie ihre Tochter benannt. Aber auch Märchen gehören zur bevorzugten Lektüre und vor allem Geschichten darüber, wie Menschen ihr Leben meistern. Jüngst etwa Bernhard Schlinks Roman „Der Vorleser“, dessen behutsame filmische Umsetzung Andrea Apmann ebenfalls sehr berührt hat.

Sachbücher mit einem außergewöhnlichen Ansatz sind es, die Frank Rüdiger Strasen besonders interessieren. „Fitnesstraining für Denker“ zum Beispiel, Bill Brysons „Kurze Geschichte von fast allem“ oder die Bücher des englischen Kriminalpsychologen Paul Britton, der gewissermaßen erfunden habe, „was heute als Profiling durchs Fernsehen geht“. Kriminalromane meidet er: „Die kann man doch nicht wirklich ernst nehmen“, findet der Kriminalist, der – aus einer Lehrerfamilie stammend – mit seiner Berufswahl ein wenig „aus der Art geschlagen“ scheint. Allerdings nicht ganz, wenn man bedenkt, dass sein Großvater vor dem Zweiten Weltkrieg als Landgendarm tätig war ... Der Enkel hat es nun als Wirtschaftskriminalist mit der Bandbreite von Betrug bis Umwelt- und Computerkriminalität zu tun. Immerhin hat der Beruf aber nicht zu einem grundsätzlichen Misstrauen gegenüber den Menschen geführt: „Ich bin eher eine Frohnatur.“ Fürs Lesen findet er wieder mehr Zeit, seit er zur Arbeit nach Neubrandenburg mit dem Zug fährt, und zu Hause ist das Vorlesen für die drei Töchter ebenfalls seine Domäne. Wie Andrea Apmann und Frank Rüdiger Strasen sich fürs Lesen begeistern, kann nun auch das VollmOnd-Publikum erleben.