Rückblicke | 08.12.2008


Dem 80. Geburtstag von Tschingis Aitmatow (1928-2008) ist die VollmOnd-Lesung am Freitag, dem 12. Dezember 2008, gewidmet: Gundula und Wladimir Tschepego lesen im Hotel Schlossgarten.

Das Ehepaar hat eine besondere Beziehung nicht nur zur russischsprachigen Literatur. Gundula Tschepego, bekennende Altstrelitzerin, hat Slawistik studiert und 16 Jahre lang als freiberufliche Übersetzerin in Weißrussland gelebt; ihr Mann war nach dem Germanistik-Studium zur Roten Armee eingezogen und als Übersetzer in die DDR geschickt worden. Kennengelernt haben sich beide in der Buchhandlung – Gundula Tschepego hatte damals zunächst als Buchhändlerin gearbeitet, weil ihr das Studium verweigert wurde an jener Fakultät, wo gerade ihr Bruder Norbert Randow – heute als Herausgeber und Übersetzer einer der angesehensten Experten für bulgarische und weißrussische Literatur und Gastprofessor an der Humboldt-Universität – wegen „staatsgefährdender Hetze“ verhaftet worden war.

In beiden Ländern zu Hause zu sein, war eigentlich Ende der 80er Jahre der Wunsch der Tschepegos, die in Weißrussland in der literarischen Szene Fuß gefasst hatten. Letztlich entschieden sie sich für Deutschland, für das elterliche Haus in Altstrelitz. Gundula Tschepego arbeitet im Neustrelitzer Karbe-Wagner-Archiv und gehört zu den Initiatoren der „Großen Lesereihe“ in der Alten Kachelofenfabrik, die derzeit den „Memoiren eines Moralisten“ von Hans Sahl gewidmet ist.

Von Tschingis Aitmatow ist ihr besonders „Der weiße Dampfer“ ans Herz gewachsen – das erste Buch, das sie einst in russischer Sprache las und von dem sie so berührt war, „dass ich Aitmatow-Fan hätte werden können – wenn ich nicht noch so viel anderes kennengelernt hätte“. Dass in der Sowjetunion viele Werke von Autoren aus den einzelnen Republik in russischer Sprache erschienen und so einem größeren Publikum zugänglich gemacht wurden, schätzt sie bis heute.

Auch der Kirgise Aitmatow, in dessen Werk die Traditionen und Mythen seiner Heimat eine tragende Rolle spielen, fand als russischsprachiger Autor Leser in ganz Europa. Seine Erzählung „Djamila“ wurde von dem französischen Autor Louis Aragon als „schönste Liebesgeschichte der Welt“ gepriesen und gehörte in der DDR zur Schullektüre. Der Roman „Die Richtstatt“ gab wichtige literarische Impulse für die Perestroika, die sich in den 80er Jahren abzeichnende Chance einer gesellschaftlichen Umgestaltung in der Sowjetunion. Eine Bühnenfassung war unter Regie von Erhard Kunkel am Neustrelitzer Theater inszeniert worden.