Rückblicke | 12.11.2008


„Schönheits-Abende“ hatten geradezu Kult-Status in Berlin, damals vor etwa 100 Jahren. Das lag nicht zuletzt an der Tänzerin Olga Desmond, die lebende Bilder nach antiken Vorbildern zelebrierte – hüllenlos. An einer Biografie über die Mitbegründerin einer „Vereinigung für ideale Kultur“ arbeitet derzeit der Neustrelitzer Jörn Runge, der sein Manuskript „Preußens nackte Venus – Die Tänzerin Olga Desmond“ bei der nächsten VollmOnd-Lesung des Hans-Fallada-Klubs Neustrelitz am 12. November 2008 im Hotel Schlossgarten vorstellen wird.

Nicht zum ersten Mal erforscht Runge das Leben einer Frau, die die Grenzen ihrer Zeit sprengte: Vor drei Jahren drehte er eine TV-Dokumentation über „Die tollkühne Fliegerin Melli Beese“ - 1911 die erste Frau, die in Deutschland eine Flugzeugführerlizenz erwarb. Nun also Olga Desmond (1891-1964), deren Leben den Eindruck vermittelt, dass mediale Aufgeregtheiten unserer Zeit so neu gar nicht sind: Ihre Auftritte wurden mehrfach verboten und beschäftigten sogar den preußischen Landtag, Kosmetikprodukte wurden nach ihr benannt, und sie wirkte in mehreren Filmen mit – darunter „Mut zur Sünde“ mit Hans Albers. 1919 wurde ihre „Rhythmographik. Tanznotenschrift als Grundlage zum Selbststudium des Tanzes veröffentlicht, ab 1922 widmete sich die Künstlerin ganz dem Unterricht.

Jörn Runge, 1966 in Neustrelitz geboren, hat sich als Autor vor allem von Jugend an der Lyrik verschrieben. Sein erster Gedichtband „Saures geben“ ist vor kurzem im Steffen Verlag Friedland erschienen. Die Biografie über Olga Desmond soll voraussichtlich im März rechtzeitig zur Leipziger Buchmesse veröffentlicht werden.