Rückblicke | 08.-12.11.2008


In vielerlei Formen und durch viele Initiatoren wird in Neustrelitz in den nächsten Wochen der Pogromnacht vom 9. November 1938 gedacht, die sich in diesem Jahr zum 70. Male jährt. Um das gemeinsame Anliegen hervorzuheben, hat der Hans-Fallada-Klub e. V. ein Plakat angeregt, das auf die Veranstaltungen aufmerksam macht. So schließen sich der traditionellen Veranstaltung der Kirchgemeinde Strelitz-Alt diesmal alle Kirchgemeinden der Stadt zu einem ökumenischen Gedenkweg an (Beginn am 9. November, 14 Uhr, am Jüdischen Friedhof in der Kalkhorst). Mit Filmen und der Ausstellung „Die Weiße Rose – Gesichter einer Freundschaft – Jugendlicher Widerstand im Nationalsozialismus“ in Zusammenarbeit mit dem Thomas-Morus-Bildungswerk (14. bis 28. November, anschließend bis 3. Dezember Katrin Seybolds Film "Die Widerständigen") trägt die Alte Kachelofenfabrik zur Auseindersetzung mit der Vergangenheit bei.

Der Hans-Fallada-Klub setzt eine neue Zäsur seines am 10. Mai – dem 75. Jahrestag der nationalsozialistischen Bücherverbrennung – eröffneten Projekts „Auch Neustrelitz hat Geschichte“, zu dem unter anderem bereits die Heimatforscherin Gisela Krull mit einem Beitrag über die Pächterfamilie Benckendorff auf der Domäne Adamsdorf unter den Nürnberger Gesetzen sowie Schüler des Gmynasiums Carolinum mit Recherchen zu jüdischem Leben in Neustrelitz beigetragen haben. Die Schüler eröffnen mit fragmetarisch vorgetragenenen Forschungsergebnissen die Veranstaltung "Nischt gesehen und gehört - Aber die haben so schön gesungen" am 9. November im Marstall am Landestheater. Dramaturg Matthias Wolf befragt die Historikerin Annette Leo zu ihrem Buch „Das ist so’n zweischneidiges Schwert hier unser KZ“. Für die Publikation, die heutige Sichten, Erinnerungen und Verdrängungen der Fürstenberger zum einstigen KZ Ravensbrück erforscht, hatte die Autorin in diesem Jahr den Annalise-Wagner-Preis erhalten. Die Schauspieler Karin Hartmann und Dietmar Lahaine lesen aus Original-Interviews, die dem Buch zugrunde liegen. Authentischen Auskünften ist auch das Motto des Abends entlehnt: „Nischt gesehen und gehört“ habe sie damals vom Konzentrationslager, beteuert da eine Zeitzeugin. Doch ihre Nichte ergänzt, die Häftlinge hätten „so schön gesungen“, wenn sie die Straße entlang getrieben wurden. Die Veranstaltung entsteht in Zusammenarbeit mit der Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz, dem Gymnasium Carolinum sowie der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück | Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten.

In Kooperation mit dem Hans-Fallada-Klub und der  Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück | Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten zeigt die Alte Kachelofenfabrik vom 10. bis 12. November den von Granseer Schülern erarbeiteten Film „Das hängt einem immer an – Das KZ von nebenan“. Zu Filmgesprächen werden Projektleiterin Karin Redlich und der Granseer Gymnasiast Andy Ahlgrimm, Urenkel einer in die KZ-Zeit verstrickten Fürstenberger Familie, erwartet. Weitere Vorstellungen können vereinbart werden unter der Rufnummer 03981 203145.