Rückblicke | 16.08.2008


Seit seine „Helden wie wir“ die Mauer zwischen ostdeutschen Autoren und Bestsellerlisten einrissen, hat Thomas Brussig einen festen Platz in der deutschen Gegenwartsallee erobert. Mit seinem neuen Buch „Schiedsrichter Fertig. Eine Litanei“ ist er am Sonnabend, dem 16. August 2008, im Neustrelitzer Hotel Schlossgarten zu Gast in der VollmOnd-Reihe des Hans-Fallada-Klubs.


Schon wieder Fußball? Das wäre zu einfach. Leser des bekennenden Fußballfans und Gründers der deutschen Autoren-Nationalmannschaft wissen, dass sich hinter der Text-Fassade aus dem populären Sport weit mehr auftut. Mehr noch als sein Trainer-Monolog „Leben bis Männer“ erweist sich „Schiedsrichter fertig“ als Spiegelbild gesellschaftlicher Abnormitäten. Der FIFA-Mann sinniert über hohle Phrasen und den Einfluss der längst den Stammtisch ablösenden Tankstellenmeinung; über zum Hohn verkommene „Werte“ wie Kommunikation oder Demokratie, über umstrittene Entscheidungen und die Relationen von Verantwortung. Denn Uwe Fertig entspinnt seine Litanei, als er aus Gerichtsgebäude kommt. Warum und mit welchen Konflikten und wie all das als Sinnbild und Vergleich zu, sagen wir, dem Tun eines Chirurgen taugt, entblättert sich in Laufe des pointierten, immer wieder gekonnte Wendungen nehmenden Textes. Eine Sache auf Leben und Tod? Fußball sei „viel, viel ernster“, schrieb einst der schottische Spieler Bill Shankly der Welt ins Zitatenlexikon – und Brussig schreibt dazu eine ganz eigene Geschichte.


Mit dem ironischen Wende-Roman „Helden wie wir“ hatte der Autor 1995 einen fulminanten Erfolg erzielt, der noch übertroffen wurde durch den Nachfolger „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“. Vor allem die Verfilmung durch Leander Haußmann, für die Brussig ebenso das Drehbuch schrieb wie für Haußmanns Uniformkomödie „NVA“. Große Beachtung fand auch sein vielschichtiger DDR-Endzeit-Roman „Wie es leuchtet“.