Rückblicke | 20.05.2008


Paperbag – eine Papiertüte – ist ein wichtiges Utensil bei der nächsten VollmOnd-Veranstaltung des Hans-Fallada-Klubs Neustrelitz am Dienstag, dem 20. Mai 2008, im Hotel Schlossgarten: Oliver Hohlfeld wird eigene Prosa und Chansons vorstellen.

Als Dramaturg an der Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz sonst meist hinter den Kulissen aktiv, ist er dem hiesigen Publikum doch auch bereits als Autor bekannt, etwa als Mitbegründer und auch Akteur der Reihe „Wortspieler“, die dem Publikum Einblick ins „Textlabor“ deutschsprachiger Autoren gab, und durch die Dramatisierung des Fallada-Romans „Der Trinker“ für eine vielbeachtete Inszenierung in der ehemaligen Strafanstalt am südlichen Stadtrand von Neustrelitz. Deren Regisseur Thomas Roth brachte später auch Hohlfelds Stück „Jagen“ in Berlin zur Uraufführung.

Dramatik, Lyrik, Prosa und Musik sind seit langem wohlgehegte Ausdrucksmittel des gebürtigen Cottbussers, dessen Bühnen-Berufsleben nach einem Regie-Volontariat beim Fernsehen der DDR als Theaterfotograf in Halle, Anklam und Schwedt begonnen hatte. Das zu DDR-Zeiten verwehrten Studium nahm er in den 90er Jahren auf: Neuere deutsche Literatur und Theaterwissenschaften waren seine Hauptfächer, während er bereits als Dramaturg und Autor (etwa einer Dramatisierung von Tschingis Aitmatows Roman „Die Richtstatt“) in Berlin, Dresden und Halle wirkte. Von 1999 bis 2002 war Oliver Hohlfeld als Dramaturg, Regieassistent in Neubrandenburg/Neustrelitz engagiert, um sich anschließend als freiberuflicher Schriftsteller in Berlin niederzulassen. Nach zwei Jahren in Madrid setzt er nun hier seine Theaterarbeit fort, schrieb etwa im vergangenen Jahr die Bühnenfassung für die Freilicht-Inszenierung „Ronja Räubertochter“ bei den Neustrelitzer Schlossgartenfestspielen.

Als Literaten zieht es ihn derzeit eher zur Prosa – so auch in „Paperbag oder Das Unverzichtbare“. In der titelgebenden Papiertüte eines Modehauses versucht ein Mann seinen kleinen Sohn in Sicherheit zu bringen – fort aus einer Gesellschaft, in der fast nur noch ungeliebte Mädchen geboren werden und deren untauglich-menschenfeindliches Reglement gegen dieses Phänomen das Dilemma nur verschärft. Eine vielstimmige Erzählweise eröffnet eindringliche Perspektiven und kündet nicht zuletzt von der Weisheit des Kindes. Die Veranstaltung am Dienstag, dem 20. Mai, beginnt wie gewohnt um 20.30 Uhr im Hotel Schlossgarten. Eintrittskarten sind erhältlich an der Abendkasse sowie im Vorverkauf im Theater-Service, Glambecker Straße 5, Telefon 03981 206400.