Rückblicke | 10.05.2008


Das traditionelle literarisch-musikalische Programm zum Gedenken an die nationalsozialistische Bücherverbrennung 1933 gestaltet der Hans-Fallada-Klub e. V. Neustrelitz diesmal gemeinsam mit der Theater und Orchester GmbH. Im Mittelpunkt der von Jacqueline Persch gestalteten Lesung „Ich mach aus alten Stoffen ein neues Stück ...“ am Pfingstsonnabend, dem 10. Mai, um 19.30 Uhr im Marstall stehen Leben und Werk von Lion Feuchtwanger (1884-1958). Der aus einer jüdisch-orthodoxen Familie stammende Schriftsteller galt als einer der Erneuerer des historischen Romans und thematisierte immer wieder die Frage nach der Rolle des Künstlers in der Gesellschaft. Mit dem 1925 erschienenen Roman „Jud Süß“ über den exemplarischen Aufstieg und Fall des jüdischen Finanzrat Josef Süß Oppenheimer im 18. Jahrhundert hatte er weltweit Geltung erlangt. Bis heute gilt es zu betonen, dass der gleichnamige antisemitische Hetzfilm von Veit Harlan aus dem Jahre 1940 nicht auf diesem Buch beruhte.

Am 10. Mai werden die Schauspieler Karin Hartmann, Marcus Ostberg und Dietmar Lahaine unter anderem Feuchtwangers episches Schaffen unter den Bedigungen des I. Weltkrieges und während des französischen Exils („Die hässliche Herzogin“), seine Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und Antisemitismus („Josefus-Trilogie“) sowie sein dramatisches Schaffen („Waffen für Amerika“) vorstellen. Musikalisch gestaltet wird die Lesung durch den Berliner Saxofonisten Max Teich sowie Ekaterina Rumjanzewa am Klavier.

Verbunden ist die literarisch-musikalische Veranstaltung, die seit vielen Jahren einen Fixpunkt in der Arbeit des Hans-Fallada-Klubs bildet, zudem mit dem Start eines Geschichtsprojekts. Unter dem Titel „Auch Neustrelitz hat Geschichte“ wird aufgerufen, Geschichten und Schicksalen aus der Zeit des Nationalsozialismus in Neustrelitz nachzuspüren und sie in vielerlei Formen zu verarbeiten: Wie ist jene Zeit erlebt und empfunden worden, was wussten und was taten die Menschen, welche Spuren können in Straßen, Gebäuden und Einrichtungen, vor allem aber in den Erinnerungen der Menschen noch geborgen werden? Gestützt auf Gespräche mit Zeitzeugen sowie auf Archivrecherchen, können zum Beispiel Texte und Dokumentationen, aber auch Gedichte, Songs und Szenen, Ausstellungen oder Filmbeiträge entstehen. Erste Ergebnisse sollen in einer weiteren gemeinsamen Veranstaltung am 9. November 2008 vorgestellt werden.